[Rezension]: Zwanzig Zeilen Liebe – Rowan Coleman

Rezension


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„… und wir alle tun unser Bestes, um in unserem Leben irgendetwas zu tun, das von Bedeutung ist und… Wie sollte je etwas von Bedeutung sein? Wie sollte etwas, das ein einzelner Mensch tut, je irgendetwas verändern können?“

Worum gehts

Stella arbeitet als Krankenschwester in einem Hospiz und kümmert sich um schwer kranke Menschen in ihren letzten Tagen. Für viele Patienten schreibt Stella Briefe. Letzte Worte an die Angehörigen der Sterbenden, die Stella nach ihrem Tod überreicht. Sie gibt diesen Menschen Halt und spendet Trost, und das obwohl sie zuhause mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hat.

Hope ist einundzwanzig Jahre alt und seit ihrer Geburt an Mukoviszidose erkrankt. Sie führt ein zurückgezogenes Leben zuhause bei ihren Eltern, geht so gut wie niemals aus und verbringt ihre Zeit damit, Buchcover zu gestalten. Als sie eines Tages durch eine Bakterieninfektion – die sie sich wahrscheinlich durch ihren besten Freund Ben geholt hat – schwer an einer Lungenentzündung erkrankt und dem Tod nur knapp von der Schippe springt, verbringt sie einige Tage im Hospiz, um sich wieder erholen zu können. Dort trifft sie auf Stella und stellt sehr schnell eine enge Verbindung zu ihr her. Stella zeigt ihr, wie wichtig es ist, das Leben zu genießen und dankbar zu sein für das, was und wen man in seinem Leben hat.

Dann ist da noch Hugh, ein junger Historiker und eingefleischter Junggeselle. Seine Eltern sind beide tot, wobei seine Mutter bereits starb, als er noch ein Kind war. Aber dann steht eines Tages Stella vor seiner Haustür und bringt sein Leben und seine Gefühle vollkommen durcheinander.

Erster Eindruck

Über dieses Buch habe ich bereits ein Book Journal verfasst. Ich hatte vor einiger Zeit Rowan Colemans Roman „Einfach unvergesslich“ gelesen und da mich dieser bei der Lektüre gefühlsmäßig absolut ausgeschöpft hat, zögerte ich nicht lange mit dem Kauf des nächsten Romans. Schon das Cover fand ich sehr ansprechend – minimalistisch und doch ansprechend, so wie das Cover des Vorgängerbuchs auch. Die Farben und das Design wirken sehr beruhigend und verraten auch schon ein wenig, in welche verträumte, traurige und herzliche Richtung die Geschichte führen wird.

Die ersten 200 Seiten habe ich dann im Nu verschlungen und ich kann nur sagen: Taschentücher auf jeden Fall bereithalten!

Was mir gefallen hat

Obwohl die Geschichte sanft und stetig vor sich hin plätschert, hat sie doch einen – nicht ganz unerwarteten – Tiefgang. Rowan Coleman versteht es wie keine andere, mit Worten zu jonglieren und perfekte, harmonische Sätze zu formen. Natürlich habe ich das Buch nicht in seiner Originalsprache gelesen. Dennoch ist die deutsche Übersetzung definitiv sehr gelungen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven der drei Protagonisten Stella Hope und Hugh erzählt und zieht sich über einen Zeitraum über sieben Nächte. Nächte deshalb, da Stella im Hospiz stets die Nachtschicht übernimmt und ihre „Tage“ bei Sonnenaufgang enden. Zwischen den Kapiteln tauchen immer wieder Briefe auf, die Stella für ihre sterbenden Patienten verfasst hat – in kunterbunter Haufen an Menschen, die so unterschiedlich und gleich gar nicht sein könnten. Sie wollen ein paar letzte Worte an ihre Hinterbliebenen richten. Erinnerungen für Freundinnen, tröstende Worte für Ehemänner und Ehefrauen oder – und das hat mich ganz besonders ergriffen – weise Ratschläge von Müttern an ihre Kinder, die noch nicht einmal lesen, geschweige denn Sprechen können. Durch diese Briefe bekommt man Einblicke in so viele verschiedene Leben. Aber jeder Brief bedeutet auch, dass ein weiterer Mensch seinen letzten und schwersten Kampf verloren hat. Eine Tatsache, bei der ich das ein oder andere Mal Sturzbäche weinen musste…

Die Charaktere habe ich schnell ins Herz geschlossen. Ganz besonders Hope und ihr bester Freund Ben haben es mir angetan. Ich konnte auf keiner Seite, in keinem Satz aufhören, mit Hope mitzufiebern, mit ihr zu weinen oder mich mit ihr zu freuen. Und ich konnte erst recht nicht aufhören, mit den beiden zu hoffen. Genauso ging es mir bei Stella. Ihre Geschichte ist etwas so Realistisches, dass man denken könnte, es wäre der besten Freundin passiert. Sympathisch, jung und trotzdem voll Weisheit. Hugh spielt anfangs eine nicht ganz so große Rolle wie Stella oder Hope und ich wusste anfangs nicht, wohin genau mit dieser Figur. Trotzdem war mir Hugh ganz besonders sympathisch. Ich konnte mir diesen eingefleischten Junggesellen und Akademiker mit seiner Fliege einfach wunderbar und bildlich vorstellen.

Die Geschichte ist einfach und doch komplex, die Worte sind sanft und herzlich, die Emotionen nah und frenetisch. Colemans Worte haben mich im Innersten berührt und immer wieder leidenschaftlich bewegt. An sehr vielen Stellen musste ich zwar mein Taschentuch zücken, aber es gab auch einige Stellen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben.

Was ich nicht so gut fand

Ich finde zwar, dass die Geschichten der drei Protagonisten auf wunderbare Weise zusammenfinden und jeder am Ende sein Happy End bekommt, in Hughes und Stellas Fall kam es mir am Ende aber doch ein wenig zu einfach vor. Stella durchlebt eine heftige Krise mit ihrem Mann, der im Krieg sein Bein verlor und seinen besten Freund sterben sah, und ich denke, dass man aus einer solchen Situation nicht einfach so herauskommt. Es bedeutet harte Arbeit, langandauernde Beziehungsarbeit und auf den ersten 300 Seiten wird dies auch angedeutet. Aber dann wird die ganze Krise doch so einfach aufgelöst, dass es für mich unglaubwürdig erschien. Das fand ich etwas schade, denn Stellas Geschichte wird zunächst sehr stark und emotional aufgebaut, stagniert dann kurze Zeit und fällt schlussendlich sehr rapide an ihr Ende, wo ein unkompliziertes Ende auf sie wartet. An dieser Stelle hätte ich mir etwas mehr erhofft!

Was Hugh angeht, finde ich seine Geschichte äußerst interessant und gefühlvoll. Ich habe immer mit ihm gefiebert, und als ich dachte, er würde sich gegen das entscheiden, was ich mir erhofft hatte, war ich fast ein wenig enttäuscht – aber zum Glück hat es sich dann doch in die richtige Richtung entwickelt. Trotzdem war ich auch mit seinem Ende nicht ganz einverstanden. Auch für ihn gilt: viele Emotionen, die sich aufstauen, ihren Weg nach draußen suchen. Ein geplagtes Gewissen, eine Achterbahnfahrt an Reaktionen. Aber am Ende löst sich alles irgendwie in Luft auf und befriedigt nicht zu einhundert Prozent. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Intensität gewünscht.

Und noch eine Kleinigkeit, die ich anfangs witzig fand, am Ende dann doch aber ein klein wenig übertrieben: Es wird Tee getrunken. Es wird Tee gekocht. Es wird Tee versprochen. Auf fast jeder einzelnen Seite. Aber gut, die Story spielt ja auch im teegetränkten England 😉

Fazit

Eine wunderbare emotional mitreißende Geschichte voll Hoffnung und Liebe – und Tee. Sollte in keinem Regal fehlen, denn „Zwanzig Zeilen Liebe“ ist definitiv etwas für’s Herz und für den Verstand. Es zeigt, wie wichtig und wundervoll Erinnerungen, Gedanken und Gefühle werden, wenn man sie nur in ein paar kleinen Worten festhält.

 

Bewertung4 herzen

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Ein Gedanke zu “[Rezension]: Zwanzig Zeilen Liebe – Rowan Coleman

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