[Throwback Thursday] Les Misérables in London (2014)

TbT Les MIs London

Eine ganz kurze Bestandsaufnahme: Ich habe das Musical Les Misérables im Jahr 2013 entdeckt. Wie? Es war wohl Anfang des Jahres, kurz nachdem der Film in die Kinos kam, als ich durch Zufall über ein Lied aus dem Musical stolperte. Natürlich waren mir die Lieder nicht ganz unbekannt. Bereits zu Schulzeiten musste ich im Musik-Unterricht immer I dreamed a dream trällern und glaubt mir, wenn ich das Singen anfange, bluten den Menschen im Umkreis von 100 Kilometern die Ohren. Aber da mein damaliger Musiklehrer ein mindestens genauso großer Musical-Fan ist wie ich, trällerte ich dieses Lied Woche um Woche.

Dann habe ich ein anderes Lied entdeckt – On my own. Und dann dachte ich mir: Gaaaaar nicht mal sooooo schlecht. Dann habe ich weitere Lieder angehört und irgendwann das ganze Musical und irgendwann war ich dann an dem Punkt, wo ich jeden Vers und jeden Ton auswendig konnte. So ungefähr muss es sich zugetragen haben. Ich weiß noch, dass ich mir das große Konzert zum 25-jährigen Jubiläum auf mein Handy geladen und im Laufe der Wochen ungefähr 124 mal angehört habe. Bis zum heuten Tag ist mein Handy-Speicher überwiegend mit verschiedenen Musical-Fassung belegt: kurze Versionen, lange Versionen, deutsche, französische und englische Versionen, Instrumentalversionen, Jubiläumskonzerte und andere Specials. Ich kenne fast jede Fassung, jede Abweichung in Text und Ton auswendig. Ich habe mir ein Buch angelegt, in dem ich das gesamte Musical GESCHRIEBEN habe.

Meine Güte, ich muss echt wahnsinnig sein….

Aber mal ehrlich, es ist doch auch toll, dass man sich für eine Sache so begeistern kann, oder?

Für ein waschechtes Fangirl gehört es natürlich, auch die Originalproduktion im West End, London, anzusehen. Vor fast genau einem Jahr, am 26. September 2014, war es dann auch soweit. Mein Mann und ich waren für einen abenteuerreichen Städtetrip in London – ohnehin meine Lieblingsstadt auf dieser Welt – und natürlich hatte ich schon Monate zuvor Tickets gebucht. Zwei wunderbare Plätze in den Front Stalls.

Schon am Tag vorher konnte ich es kaum abwarten, meine Tickets am Box Office abzuholen. Nur ein Grund mehr, meinen Mann quer durch London in die Shaftesbury Avenue zu scheuchen und ENDLICH vor dem Queens Theatre zu stehen. Die Tickets haben wir natürlich noch nicht bekommen, die gibt’s immer erst am Vorstellungstag. Naja, wenigstens konnte ich meinen armen Göttergatten mit einem Abendessen in China Town entschädigen 😉

Das Queens Theatre in der Shaftesbury Avenue.

Das Queens Theatre in der Shaftesbury Avenue.

Am nächsten Tag wachte ich dann bereits ganz aufgeregt auf. Wir verbrachten den Tag noch gemütlich im Hyde Park und schlenderten dann gegen Abend langsam Richtung West End, um dort noch eine Kleinigkeit zu essen. Nachdem wir uns ein paar Mal in den verwinkelten Gassen Sohos verlaufen hatten, fanden wir dann doch wieder zur Hauptstraße zurück und waren – wie sollte es auch anders sein – viel zu früh am Theater. Als erste Gäste betraten wir das Queens und ich inspizierte derweil das Angebot im Fanshop – der leider auch noch nicht geöffnet hatte. Verdammte Axt! Also warteten wir eine halbe Ewigkeit und als der Fanshop dann endlich öffnete, kaufte mein Mann mir direkt ein Programmheft und eine Tasse – yay 🙂 Kurz darauf durften wir dann auch den Saal betreten und unsere Plätze suchen. Mal ganz abgesehen vom Musical, das darin aufgeführt wird, ist das Queens Theatre ein wirklich wunderschönes und architektonisch interessantes Gebäude. Das Gebäude selbst ist nicht besonders breit, schlängelt sich aber ein ganzes Stück die Straße entlang. Es wurde im Oktober 1907 eröffnet und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Das Interieur versetzt einen direkt in das London der 1910er/1920er Jahre. Vieles ist noch erhalten, unter anderem der wunderschöne Stuck an den Decken und Wänden. Allein dieser Anblick hat mich richtig verzaubert und ich fand es fast ein wenig schade, dass viele Gäste in ihren dreckigsten Straßenklamotten dorthin gehen. Der Konzertsaal liegt – anders als bei vielen anderen Theatern – quasi im Keller. Um zu den Front Stalls zu gelangen, die ja eigentlich ebenerdig liegen, muss man erstmal einige Stufen nach unten steigen. Blickt man von außen auf das Gebäude, fällt dies gar nicht auf. Auch ich habe es zuerst nicht wahrgenommen, obwohl ich ins Untergeschoss gegangen bin. Aufgefallen ist es mir erst beim Rausgehen, da muss man nämlich einige Treppenstufen steigen, um direkt in die Seitenstraße zu gelangen.

Zurück zum Musical: Der Saal füllte sich langsam, ausverkauftes Haus. Und irgendein Pfosten in der ersten Reihe blieb einfach stehen, obwohl bereits das Licht gedimmt und der erste Ton angestimmt wurde. Er verdeckte nämlich zu allem Überfluss auch das schöne Bild, das an den Bühnenvorhang projiziert wurde – die Illustration von Cosette. Aber zum Glück hatte ich in der Pause nochmal Gelegenheit, alles zu fotografieren.

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Der erste Ton wurde also angestimmt – das allseits bekannte daDAMM des Prologs „Look Down“. Der Vorhang öffnete sich und die Darsteller erschienen auf der Bühne.

Zum Cast kann man nur sagen, dass die Direktoren des Musicals wirklich die besten Darsteller auf dieser Bühne versammelt haben. Ich habe die Jahre davor immer verfolgt, wer im Ensemble so zu finden ist, und natürlich waren bereits große Künstler in diesem Theater zu sehen, beispielsweise Ramin Karimloo, Samantha Barks, Gareth Gates oder Matt Lucas. Aber die Besetzung der Saison 2014/2015 übertraf dann doch nochmal alles. Hochgelobt wurden die Darsteller in den Hauptrollen und auch die Nebendarsteller/Swings, die zusammen ein harmonisches Zusammenspiel an hervorragenden Stimmen ergeben. Ich war sehr gespannt, wie sich dieser über alle Maßen gelobte Cast live auf der Bühne anhören würde. Und siehe da: Schon der Prolog hat mich aus den Socken gehauen. Peter Lockyer (Valjean) und David Thaxton (Javert) lieferten eine unglaubliche Show, vor allem in der Kampfszene an Fantines Todesbett konnte man sehen, wie gut die Bewegungen, die Stimmen und einfach das gesamte Timing miteinander harmoniert haben. Ganz besonders überrascht hat mich aber die Performance der beiden Hauptcharaktere Fantine und Éponine. Celinde Schoenmaker (Fantine) lieferte mit I dreamed a dream eine Performance ab, die einen wahrlich das Blut in den Adern gefrieren ließ – aber nicht vor Schreck! Anders kann ich es nicht beschreiben. Sie hat eine so starke und doch zerbrechliche Stimme, die genau das hervorscheinen ließ, was die Figur der Fantine darstellen soll: Kämpfergeist. Auch Carrie Hope Fletcher (Éponine) sorgte im zweiten Akt für einen Gänsehautmoment nach dem anderen. Verzweifelt, einsam und verliebt, hoffnungslos und trotzdem tapfer singt sie sich durch den Kampf an den Barrikaden, bis sie in den Armen ihres geliebten Marius Pontmercy (Rob Houchen) stirbt. Wer an diesem Abend keine Taschentücher dabei hatte, musste wohl oder übel in seinen Ärmel schniefen.

Wie gut der gesamte Cast – von den Hauptdarstellern bis hin zu den Swings – harmonierte, konnte man in One Day More und im großen Finale erkennen. Meine Augen klebten förmlich an der Bühne, an jedem Sänger. Ich hatte Angst, etwas zu verpassen, wenn ich meinen Blick auch nur für den Bruchteil einer Sekunde abwenden würde. Das Orchester, das Ensemble und alle, die hinter der Bühne die Fäden in der Hand haben, leisteten ganze Arbeit. Es fällt mir wirklich schwer, dieses unglaubliche Musical und das, was auf dieser Bühne zustande gebracht wird, zu beschreiben. Manche Dinge kann man einfach nicht in Worte fassen. Aber wer es ganz genau wissen will, der sollte sich das Musical selbst einmal ansehen. Mit Victor Hugos Worten: Die Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.

Nachdem das Publikum nach dem großen Finale minutenlang stehende Ovationen Richtung Bühne schickte und die Darsteller sich noch einmal einzeln verbeugten, wollte ich das Theater gar nicht verlassen. Ich wollte nicht, dass dieser magische Abend endete, aber immerhin gab es noch ein kleines Extra: An der Stage Door des Theaters hatte man die Möglichkeit, sich ein Autogramm von den Darstellern zu holen. Also stellten mein Mann und ich uns in die lange Schlange der Fans und warteten. Es hat sich auch gelohnt, denn ich durfte ganz kurz Hello zu Éponine-Darstellerin Carrie Hope Fletcher sagen und ein Foto mit ihr machen.

Éponine-Darstellerin Carrie Hope Fletcher und mein Hinterkopf unscharf im Vordergrund - das "richtige" Foto mit ihr gemeinsam zeige ich hier lieber nicht, da zieh ich nämlich eine ganz schöne Lätsche.

Éponine-Darstellerin Carrie Hope Fletcher und mein Hinterkopf unscharf im Vordergrund – das „richtige“ Foto mit ihr gemeinsam zeige ich hier lieber nicht, da zieh ich nämlich eine ganz schöne Lätsche.

Dieser Abend wird mir von der ersten Minute bis zur allerletzten ewig in Erinnerung bleiben. Es war ein Abend voll Magie, Nervenkitzel, Gänsehautfeeling und Tränen. Ich hoffe, ich komme bald wieder nach London, um dieses grandiose Musical – diesmal mit einem neuen grandiosen Cast – noch einmal zu erleben.

Und jedem, der irgendwann einmal London besucht, kann ich nur ans Herz legen, einen oder sogar mehrere Abende im West End zu verbringen. Nicht nur Les Misérables ist eine der besten Shows, die jemals auf einer dieser Bühnen aufgeführt wurde. Auch andere hervorragende Musicals nennen das West End ihre Heimat, beispielsweise The Lion King (auch sehr zu empfehlen!!), Wicked oder The Phantom of the Opera. Investiert ein paar Pfund in einen unvergesslichen Abend! Ihr werdet es nicht bereuen 🙂

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