[Rezension] Der Circle – Dave Eggers

Rezension

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Worum gehts

Der “Circle” ist der Nachfolger der heutigen sozialen Medien Facebook, Twitter, Google, etc. Der Roman schildert eine nahe Zukunft, in der sich der durch das allumspannende Netzwerk entstehende soziale Druck zu einer vollständig überwachten Gesellschaft steigert. Die Hauptprotagonistin Mae startet zu Beginn der Handlung ihre Karriere als Circle-Mitarbeiterin und steigt schnell in der Unternehmenshierarchie auf, was ihr einen großen Bekanntheitsgrad verschafft. Bald schon wird sie zur Symbolfigur des Circle. Nur wenige Menschen, unter anderem Mae’s Exfreund Mercer, stehen dem Circle von vornherein kritisch gegenüber. Zudem bahnt sich eine Rebellion innerhalb des Circle an. Letztendlich hängt es von Mae ab, ob sich der Circle schließt und das Endziel der globalen Überwachung gelingt.

Was mir gefallen hat

In der Handlung finden sich viele Parallelen zu George Orwells 1984, auch wenn die Gesellschaft, die Dave Eggers zeichnet, bei weitem nicht so autokratisch wirkt wie das Vorbild. Fast beängstigend ist die Plausibilität der Handlung – der Circle scheint von unserer aktuellen, von Online-Präsenz geprägten Welt nicht mehr allzu weit entfernt. Außerdem fällt eine vollständige Quantifizierung der Welt auf – alles was messbar ist, muss gemessen werden. Und Zahlen sind alles was zählt – seien es Kommentare, die Herzfrequenz oder die Anzahl der Zuschauer eines Videostreams. Die Erzählung ist vor allem auch eine Warnung an die junge Generation, sich nicht zu sehr von der Masse an Daten, die wir über uns selbst produzieren, unter Druck setzen zu lassen. Der Roman ist gut geschrieben, die Dialoge wissen zu unterhalten, die Personen werden nicht immer sympathisch, aber dafür in angemessenem Detailgrad beschrieben.

Was ich nicht so gut fand

An einigen Stellen wirkt die Handlung etwas unausgegoren. Die Hauptprotagonistin Mae ist beispielsweise unfassbar naiv. Während sie noch nicht über ihren Exfreund Mercer hinweg ist, fängt sie trotzdem gleich mehrere sexuelle Beziehungen mit Kollegen an, was ich als Leser nicht besonders gut nachvollziehen konnte. Dazu tappt sie auch noch von einem Fettnäpfchen ins andere. So naiv Mae sich gibt, so stur wird Mercer beschrieben. Gerade er als Gegenprotagonist hätte noch Entwicklungspotential gehabt, indem man ihn aktiver in die Handlung hätte einbinden können. Die Unternehmensstruktur im Circle ist ein Rätsel für sich. Anders lässt sich Maes Karrieresprung kaum erklären. Das Tempo der Handlung (in der erzählten Zeit) ist unrealistisch schnell. So schafft es der Circle beispielsweise innerhalb weniger Wochen, die US-Wahlen vollständig über die eigene Software laufen zu lassen, und mehrere Politiker “transparent” zu machen, d.h. sie werden 24 Stunden am Tag gefilmt und live übertragen.

Fazit

Natürlich kommt das Buch nicht an 1984 oder Huxleys Schöne neue Welt heran. Es bleibt eine sozialkritische, dystopisch anmutende Erzählung, deren gesellschaftlicher Rahmen nicht einmal so abwegig scheint, wenn man sich die aktuellen Entwicklungen in der Politik und im Internet vor Augen führt. Einige Abstriche gibt es bei der Entwicklung der Erzählung und der Protagonisten. Empfehlenswert für alle, die sich gerne einmal etwas kritisch mit sozialen Medien auseinander setzen möchten!

Bewertung3 herzen

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