[Doppel-Rezension] Proxima | Ultima – Stephen Baxter

Rezension

 

 

Worum gehts

Stephen Baxters Zweiteiler, bestehend aus den Romanen Proxima und Ultima, ist eine Entdeckungsreise durch Raum und Zeit. Die Handlung des ersten Buchs beginnt im Jahr 2166. Längst hat die Menschheit die Planeten unseres Sonnensystems erforscht und zum Teil auch schon erobert. Eine neue Mission nie dagewesener Dimension wird gestartet, um einen Planeten des benachbarten Sterns Proxima zu besiedeln. Der Planet Per Ardua wartet hier mit einigen Überraschungen auf, die die Kolonisation zu einem schwierigen Unterfangen machen. Da der Himmelskörper nicht rotiert, gibt es eine Tag- und eine Nachtseite. Dementsprechend ist die Vegetation auch deutlich anders als auf der Erde. Zeitgleich mit der Kolonisierung werden im heimischen Sonnensystem seltsame Entdeckungen gemacht. So genannte Kernels, rätselhafte Energiequellen, scheinen sich zu Portalen verbinden zu lassen, die Reisen durch entfernte Galaxien ermöglichen. Die Kernels und die damit verbundenen Möglichkeiten führen rasch zu einem Konflikt auf der Erde, der zum Ende des ersten Buchs eine dramatische Wendung herbeiführt: Die Erde, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Stattdessen begegnet die zweite Generation der Per-Ardua-Kolonie plötzlich einer römischen Legion mitten im heimischen Sonnensystem. Das zweite Buch beginnt in dieser rätselhaften Parallelwelt, in der die Kernels wesentlich mehr Macht zu haben scheinen. Die Handlung führt uns auf fantastische Weise wieder zurück in das Proxima-System, wo sich die Geschichte aus dem ersten Buch scheinbar wiederholt. Bald wird klar, dass die Kernels und die damit verbundenen Parallelwelten von einer höheren Macht gesteuert werden, der nun die dritte Kolonisten-Generation auf den Grund gehen will. Schließlich führt die Handlung bis ans Ende des Universums, genannt Ultima. Das Rätsel der Kernels und des rätselhaften Noostratums, einer im inneren der Planeten verborgene Schicht intelligenten Lebens, löst sich jedoch erst, als die Zeit abgelaufen scheint.

Einstieg

Der Einstieg in das erste Buch geht erst einmal schleppend voran. Typischerweise lässt sich Baxter viel Zeit, um die Handlung zu entwickeln und die Charaktere einzuführen. Obwohl man am Anfang nicht zu viel Spannung erwarten darf, wird die Geschichte jedoch nicht langweilig. Vor allem im ersten Buch wird der Leser mit offenen Armen in eine vollkommen andere Welt entführt.
Die Lektüre der beiden Bücher lag ziemlich genau ein Jahr auseinander, da ich es immer direkt zum Erscheinungstermin gelesen habe. Deshalb dauerte es bei Ultima auch ein wenig, bis ich wieder richtig in der Geschichte drin bin. Ein bisschen Auffrischung meines eingerosteten Gedächtnisses hätte also nicht geschadet, aber wer die Bücher direkt hintereinander liest, wird mit dem Einstieg in Teil 2 keinerlei Probleme haben.

Schreibstil

Schriftstellerisch ist Baxter ein Genie unter den SciFi-Autoren. Auch die deutsche Übersetzung von Peter Robert lässt sich gut lesen. Baxter ist für seine überzeugende Schilderung phantastischer Welten bekannt, aber auch für die geschickte Konstruktion von spannender Handlung. Beides zeigt er in dieser Romanserie. Man braucht aber, vor allem in den Mittelteilen, viel Geduld. Man sollte die Bücher nicht unter Zeitdruck oder mit Ablenkungsgefahr lesen, sondern es wirken lassen und genießen.

Charaktere

Der Hauptprotagonist der ersten Hälfte des ersten Buchs ist der sympathische Yuri, ein Strafkolonist, der bereits 100 Jahre seines Lebens in der Gefrierkammer verbracht hat. Baxter beschreibt aber auch die zahlreichen Nebencharaktere sehr genau. Jeder Charakter hat ständig das Potenzial, in eine Hauptrolle zu schlüpfen. Das beste Beispiel ist Mardina, eine Mitkolonistin, mit der Yuri die gemeinsame Tochter Beth bekommt. Beth, der erste auf Per Ardua geborene Mensch überhaupt, übernimmt während des Übergangs vom ersten zum zweiten Buch die Hauptrolle. Weitere wichtige Personen im ersten Teil sind die Wissenschaftlerin Stef, die die Kernels und die rätselhaften Portale erforscht, sowie die mysteriöse KI Erdschein, der im zweiten Roman eine bedeutendere Rolle zugetragen wird. Die „Familiengeschichte“ wird im zweiten Roman fortgesetzt: Mit dem aus der zweiten Parallelwelt stammenden Ari bekommt Beth die Tochter Mardina, der schließlich ein ähnliches Schicksal ereilt. Insgesamt sind die Schicksale der Charaktere auf geschickte Weise miteinander verknüpft. Hierbei wiederholt sich die Handlung auf subtile Weise, sodass insgesamt mindestens vier Generationen abgedeckt werden. Bei der Fülle der Charaktere ist es teils schwierig, den Überblick zu behalten. Jedoch ist meiner Meinung nach kein Protagonist überflüssig.

Ende

Das Ende des ersten Romans lässt natürlich einige Fragen offen, von denen die meisten im zweiten Roman beantwortet werden. Es gibt jedoch ein paar kleinere Rätsel, die auch im zweiten Teil nicht explizit aufgelöst werden und den Leser zur Eigeninterpretation anregen. Das Ende des zweiten Romans ist deutlich überraschender, wenn auch deprimierender. Hier kommt der Wahre Charakter von Ultima zum Vorschein. Prinzipiell hätte Baxter aber auch an dieses Ende anknüpfen können. Eine Fortsetzung ist jedoch nicht geplant.
Was mir gefallen hat

Die Handlung ist mit vielen netten Details ausgeschmückt. Die insgesamt 1400 Seiten sind dadurch nicht nur lesenswert, sondern nehmen einen durchaus mit in die Handlung. Stefs plötzlich auftauchende Zwillingsschwester, drachenfliegende Pflanzen auf Per Ardua, Römer im Weltraum – was sich zunächst paradox anhört, bekommt Baxter auf geschickte Weise glaubhaft erzählt. Zugleich ist das Buch unheimlich fesselnd. An einigen Stellen befinden sich die Protagonisten am Abgrund der Existenz, und man fiebert regelrecht mit. Auch der Witz kommt nicht zu kurz. An einigen Stellen musste ich dauerschmunzeln, besonders als es um die Angewohnheiten der römischen Legionäre ging.

Was ich nicht so gut fand

Die Vielzahl an Charakteren macht die Buchreihe schwer zu lesen. Bei mir lag ein gutes Jahr zwischen den beiden Teilen, sodass ich zu Beginn des zweiten Teils einige Male in Proxima nachblättern musste. Wie bei vielen Baxter-Büchern ist Geduld gefragt. Teilweise vergehen 30 Seiten ohne wirklichen Fortschritt in der Handlung. Daran kann man sich stören, wenn man etwas schnelllebigere Literatur, z.B. Thriller, gewöhnt ist.
Fazit

Wer Science Fiction mag, wird diese Bücher lieben. Sympathische Charaktere, eine interessante, epische und sich in der Dramatik ständig steigernde Handlung, die jedoch auch vom Leser einiges an Geduld und Konzentration abverlangt.

Bewertung

4 herzen

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Ein Gedanke zu “[Doppel-Rezension] Proxima | Ultima – Stephen Baxter

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