[Rezension] Paradox – Phillip P. Peterson

Rezension

Paradox


 

Worum gehts

Der deutschsprachige Indie-SF-Autor Phillip P. Peterson nimmt uns mit auf ein Weltraum-Abenteuer der besonderen Art. Die Handlung spielt etwa 20 Jahre in der Zukunft. Der schüchterne Physiker David wird von der privaten Forschungsorganisation Centauri angeheuert, um an einem Weltraumprojekt nie dagewesener Größenordnung teilzunehmen. Das Ziel ist der Rand unseres Sonnensystems, wo in der Vergangenheit bereits einige Sonden den Kontakt zur Erde abgebrochen haben. Ermöglicht wird diese Mission durch einen neuartigen Antimaterie-Antrieb, der in geheimen Forschungsprojekten entwickelt wurde. Der zweite Hautprotagonist, Ed, ist ein verdienter NASA-Astronaut. Biologin Wendy und Technikerin Grace, die bei der Entwicklung des Antriebs beteiligt war, komplettieren die Crew. Ziel der Mission ist es unter anderem, dem rätselhaften Verschwinden der Sonden auf den Grund zu gehen. Die Astronauten machen bahnbrechende, aber auch gefährliche Entdeckungen, während sich auf der Erde ein militärischer Konflikt zwischen China und den USA zuspitzt.

Kaufgrund

Der Roman wurde zum besten Self-Publishing-Buch des Jahre gewählt und da ich Science Fiction in Reinform wirklich unbedingt lesen muss, habe ich mir dieses Buch natürlich sofort zugelegt!

Einstieg

In diesem Buch gibt es keinen Prolog, man wird also gleich am Anfang direkt in die Geschichte geschleudert. Allerdings passiert dann erstmal eine ganze Zeit lang gar nichts. Der Fokus liegt zunächst auf den Charakteren Ed und David, die sehr genau vorgestellt werden. Auch über Davids Forschungsgebiet und Eds NASA-Vergangenheit erfährt man sehr, sehr viel. Richtig los geht es dann erst in der zweiten Hälfte des Romans, wo die Mission gestartet wird.

Schreibstil

Peterson beschreibt sehr präzise, ohne allzu große Ausschweifungen. Den Schreibstil könnte man schon fast als wissenschaftlich bezeichnen, was kein Zufall ist: Peterson hat selbst zahlreiche wissenschaftliche Publikationen verfasst. Trotzdem vermag er sehr unterhaltsam und auch einfühlsam zu schreiben.

Charaktere

David, der schüchterne Wissenschaftler, und Ed, der Draufgänger mit einigen Jahrzehnten NASA auf dem Buckel, scheinen Welten voneinander zu trennen. Trotzdem kann man sich als  Leser problemlos mit beiden Hauptprotagonisten anfreunden. Auch die Charaktere Wendy und Grace sowie die NASA-Mitarbeiter auf dem Erdboden sind prägnant, wenn auch schnörkellos beschrieben. Fast alle Charaktere machen während der Handlung eine Entwicklung durch. Nach der Trennung von seiner Frau wird Ed den Umständen entsprechend fragil. Dass ihm trotzdem das Kommando über die Mission übertragen wird, macht die Handlung noch etwas unberechenbarer. Grace entwickelt sich von der stänkernden zweiten Kraft auf dem Schiff am Ende noch zu einer sympathischen Person. Die größte Entwicklung macht David durch, der trotz seiner geringen Weltraum-Erfahrung der für die Crew-Moral wichtigste Charakter wird.

Ende

Das Ende hat es in sich und regt zum Nachdenken an. Einerseits über die technischen Möglichkeiten, die uns vielleicht in ferner Zukunft zur Verfügung stehen. Andererseits über den Umgang der Menschheit mit sich selbst und dem Planeten. Es ist auf jeden Fall eins der besten Science-Fiction-Enden, die ich bis jetzt gelesen habe! Aber mehr möchte ich gar nicht verraten 😉

Was mir gefallen hat

 

Als Indie-Autor hat Peterson vermutlich mehr Freiheiten, was die „Belastung“ des Lesers durch wissenschaftliche Details angeht. Alle wissenschaftlichen Erklärungen scheinen schlüssig und plausibel. Ein großer Teil des Romans ist ihnen gewidmet. Positiv ist vor allem das letzte Drittel des Romans hervorzuheben. Hier nimmt das Buch auch im übertragenen Sinne Fahrt auf. Gut fand ich auch die zahlreichen Insider-Geschichten von der NASA. Auch für ein paar unterhaltsame Szenen ist noch Platz, wobei sich der Humor der einzelnen Charaktere deutlich unterscheidet.

Was ich nicht so gut fand

Die Funktion der Protagonistin Wendy ist etwas unklar geblieben. Sie hätte an einigen Stellen noch eine bessere Rolle spielen können. Schade auch, dass das Ende relativ knapp geraten ist. Kleinere Abstriche muss man bei der Formatierung des Buches machen. Blocksatz macht im Deutschen nur bei vernünftiger Worttrennung Sinn, welche hier jedoch fast vollständig fehlt. Wenn vorhanden, dann fehlt der Trennstrich. Das ganze relativiert sich aber aufgrund der Tatsache, dass Peterson sich eben nicht von einem Verlag abhängig machen wollte, der solche Feinheiten bestimmt besser gelöst hätte.

Fazit

Das Buch sticht definitiv positiv heraus. Peterson kann durchaus mit amerikanischen SF-Größen wie David Brin oder Stephen Baxter mithalten. Wissenschaftlich fundiert, gut erzählt, mit sympathischen Charakteren. Das Ende hat mir durchaus zu denken gegeben!

Bewertung

5 herzen

… und das vollkommen verdient!

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Ein Gedanke zu “[Rezension] Paradox – Phillip P. Peterson

  1. Pingback: Lesemonat November | abooklove

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