[Rezension] Mieses Karma hoch 2 – David Safier

Rezension

Mieses Karma hoch 2

 


Worum gehts
Daisy Becker führt ein ziemlich chaotisches und kaputtes Leben. Ihre Schauspielkarriere geht langsam aber sicher den Bach runter, sie raucht, trinkt, betrügt und beklaut ihre WG-Mitbewohnerinnen, und sie erkennt nicht, dass ihr langjähriger bester Freund Jannis schwer in sie verliebt ist. Doch eines Tages bekommt Daisy das Angebot ihres Lebens: Sie soll kurzfristig als Nebendarstellerin im neuen James-Bond-Film einspringen und gemeinsam mit dem Weltstar Marc Barton arbeiten! Ein Traumjob, der für sie das Sprungbrett in eine erfolgreiche Karriere bedeuten könnte – würde an diesem Tag nicht alles schief laufen. Erst wird Daisy der Führerschein entzogen, dann betrügt sie einen Taxifahrer um eine Menge Geld, Sunnyboy Barton entpuppt sich schnell als arrogantes Arschloch und nachdem sie aus Versehen auch noch seinen Hund tötet und sturzbetrunken in Bartons Auto steigt, werden die beiden in einen tödlichen Unfall verwickelt. Als sie danach als Ameisen wiedergeboren werden, beginnt für die beiden eine abenteuerliche Reise, bei der sie nicht nur einmal dem eigenen Tod begegnen.

Charaktere

Die Charaktere in dieser Geschichte sind wirklich sehr erfrischend. Die beiden Protagonisten Daisy und Marc werden am Anfang als ziemliche Anti-Menschen beschrieben. Beide haben sehr schlechte Eigenschaften, ob das nun Arroganz ist, Unehrlichkeit oder Faulheit. Auf der einen Seite wirken sie dadurch sehr unsympathisch, auf der anderen Seite muss man sie aber einfach lieben! Daisy nimmt das Leben nicht so ernst und gerät immer und überall in unmögliche Situationen, die mich teilweise sehr schmunzeln ließen. Marc ist ein Weltstar und das lässt er wirklich raushängen – hinter der arroganten, harten Fassade steckt aber auch nur ein sensibler Junge, der es im Leben nicht leicht hatte. Beide Hauptcharaktere erfahren in ihren vielen wiedergeborenen Körpern eine Entwicklung, die für mich zwar deutlich zu spüren war, am Ende aber doch etwas flach und einfach ausfiel.

Von den Nebencharakteren Nicole und Jannis bekommt man nur aus Sicht der Protagonisten etwas mit. Sie tragen passiv zur Entwicklung der Geschichte bei, aber besonders viel habe ich dabei nicht über sie erfahren. Die Beschreibungen der beiden sind zwar auf der einen Seite klischeebehaftet, auf der anderen aber sehr gut getroffen, sodass man sie sich super vorstellen konnte.

Schreibstil

David Safiers Schreibstil hat mich schon immer sehr begeistert. Es ist zwar definitiv nicht tiefgründig oder komplex, aber genau das macht seine humoristischen Bücher aus. Sein Schreibstil ist simpel und unheimlich erfrischend, seine Witze treffen meistens wirklich ins Schwarze. Ich musste an vielen Stellen herzhaft lachen, an manchen konnte ich schmunzeln. Durch seine lockere und witzige Art, Dinge zu beschreiben, hüpft man geradezu durch die Geschichte. So hatte ich Mieses Karma hoch 2 auch in null Komma nix gelesen.

Einstieg

Der Einstieg in Mieses Karma hoch 2 fiel mir sehr leicht. Man braucht keine „Vorkenntnisse“ aus dem Vorgängerroman, da es sich um vollkommen neue Charaktere dreht. Man trifft zwar erneut auf die ein oder andere Figur aus Mieses Karma, aber alles, was man über sie wissen muss, wird – ziemlich schlau gelöst, wie ich finde – in Fußnoten erklärt.

Die Geschichte setzt direkt an dem Tag an, an dem Daisy und Marc das Zeitliche segnen. Ihre Zeit als Menschen wird nur auf den ersten paar Seiten beschrieben, mehr ist dazu auch gar nicht nötig. Danach geht es direkt weiter mit ihrer ersten Wiedergeburt als Ameisen. Durch den humoristischen und sehr lockeren Schreibstil flutscht man direkt weiter auf den Seiten – so schnell war ich wahrscheinlich noch nie in einer Geschichte drin 🙂

Verlauf

So locker-leicht, wie es angefangen hat, ging es mit Daisy und Marc dann auch weiter. Die Geschichte ist im Grunde genommen sehr simpel, an manchen Stellen tauchen Figuren auf, mit denen man so wahrscheinlich nie gerechnet hätte. So trifft man beispielsweise mitten in der Ostsee auf den äußerst höflichen Hecht Albert Einstein – gerade über diese Begegnung konnte ich wirklich herzlich lachen! Die Geschichte plätschert so fröhlich und lustig weiter. Natürlich ist es mit einer Wiedergeburt nicht getan, das würde für die gesamte Story keinen Sinn machen. So sterben Daisy und Marc schon bald erneut, werden wiedergeboren, sterben wieder, werden wieder wiedergeboren, sterben wiederwieder, werden wieder wieder wiedergeboren und so weiter. Viel Wiederholung also.

Im Laufe der Geschichte findet dabei eine Charakterentwicklung statt, die am Ende nicht mehr zu übersehen ist, die ich aber mit jeder Seite etwas flacher fand. Daisy und Marc verwandeln sich mit jeder Inkarnation von den negativen Menschen, die sie einmal waren, zu Lebewesen, die einander schätzen, sich für andere aufopfern oder schlichtweg „gut“ sind. In erster Linie geschieht das natürlich aus dem Grund, dass sie gutes Karma sammeln wollen, um auf der Inkarnationsleiter nach oben klettern zu können. Im Verlauf handeln sie dann aber nicht mehr aus egoistischen Gründen, sondern einfach aus tiefstem Herzen.

Ende

Nachdem die Geschichte eine sehr positive Entwicklung von Daisy und Marc beschreibt, endet sie schlussendlich etwas flach. Für mich war das Ende etwas schwach und nicht unbedingt nachvollziehbar. Daisy und Marc wollen verhindern, dass Nicole und Jannis ein Paar werden. Aber nachdem sie die beiden quasi auseinander gebracht haben, merken sie schnell, dass sie damit nicht unbedingt gutes Karma sammeln konnten. So versuchen sie schließlich doch, die beiden wieder zusammenzubringen. Von arroganten und egoistischen Menschen wandeln sie sich zu selbstlosen, liebenden und rücksichtsvollen Lebewesen und lernen, auch einander zu schätzen. Das mag zwar schön und gut sein, war am Ende dann aber doch ein wenig zu einfach – und dazu etwas verwirrend. Daisy verhält sich zum Schluss hin immer mehr wie das Fähnlein im Winde. Mal will sie das, dann tut sie jenes und plötzlich will sie wieder etwas ganz anderes. Ihre Handlungen konnte ich teilweise weder verstehen noch nachvollziehen. Marc hingegen wird vom – Entschuldigung – arroganten Arschloch zum liebenden Weichei und rückt in den letzten Kapiteln sehr stark in den Hintergrund. Das war, um ehrlich zu sein, ein wenig überzogen und unglaubwürdig. Zudem konnte ich die finale Wiedergeburt der beiden nicht unbedingt verstehen. Es ist zwar eine schöne und irgendwo auch zufrieden stellende Idee, ich bin mir aber nicht sicher, ob das wirklich so einfach funktioniert für die Story.

Was mir gefallen hat

Das Cover! Es passt zum einen natürlich farblich und stilistisch perfekt zu allen anderen Büchern von Safier. Zum anderen finde ich auch sehr schön, dass auf Titel-, Rück- und Innenseiten Illustrationen der einzelnen Inkarnationen gedruckt sind, die die Entwicklung der beiden Protagonisten und deren Beziehung zueinander wunderbar darstellen. Außerdem sind sie wirklich sehr niedlich!

Inhaltlich haben mich Safiers Humor und Wortspielereien definitiv überzeugt. Auch wenn die Witze zum Ende hin ein wenig flacher werden und nicht mehr die gleiche Wirkung erzielen wie zu Beginn, konnte ich trotzdem sehr oft herzlich lachen.

Gefallen hat mir auch die Lösung mit den Fußnoten, bei denen an den passenden Stellen immer wieder Referenzen zum Vorgängerroman auftauchen.

Was ich nicht so gut fand

Das Cover! Auch wenn die Illus sehr schön sind und die Entwicklung der Protagonisten zeigen, so spoilern sie doch auch alles! Ich wusste genau, in welchem Körper die beiden als nächstes wiedergeboren werden und wie es für Daisy und Marc am Ende ausgehen wird. Das hat wirklich sämtliche Spannung aus der Geschichte entweichen lassen. Sehr, sehr schade!

Außerdem war das Ende der Geschichte nicht unbedingt mein Fall. Es war unlogisch, flach und schlichtweg ein bisschen enttäuschend. Ich kam mir ein bisschen vor, als hätte Safier am Ende keine Lust mehr gehabt, die Geschichte anständig enden zu lassen. Oder fehlte etwa die Zeit? Das Ende war nicht nur unbefriedigend, sondern auch sehr abrupt – plötzlich war es zu Ende! Nicht so toll, um ehrlich zu sein.

Schlussendlich muss ich noch anmerken, dass Mieses Karma hoch 2 zwar eine nette, erfrischende Geschichte ist, aber wer den Vorgänger Mieses Karma bereits kennt, wird von dieser Geschichte wahrscheinlich nicht mehr aus den Socken gerissen werden. Es ist zwar ein anderes Setting mit anderen Charakteren, aber vom Gerüst her ist es schlichtweg eine Wiederholung des ersten Teils. Nett, aber nichts Neues!

Fazit

Wer den Vorgängerroman noch nicht kennt, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen. Für zwischendurch ist es einfach eine wunderbare, witzige Abwechslung! Wer den ersten Teil schon kennt, der kann auf dieses Buch auch verzichten, es ist einfach nichts Neues und man weiß genau, was passieren wird.
Der Einstieg war sehr gut, der Humor traf ins Schwarze, aber das Ende war definitiv sehr schwach. Ich hatte mir an manchen Stellen ein wenig mehr erhofft. Ich gebe dem Buch trotz seiner Mängel vier Sterne, wobei 3,5 wahrscheinlich eher zutreffen würden – die gibt es bei mir aber nicht 😛

Bewertung

4 herzen

… aber mit Ach und Krach!

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