[Rezension] Das siebte Kind – Erik Valeur

Rezension

 

Das siebte Kind

 

Worum gehts

Im Kinderheim Kongslund in Dänemark leben in den 1960er Jahren sieben Waisenkinder, von denen sechs von Adoptiveltern aufgenommen werden. Nur die kleine Marie bleibt ihr Leben lang in dem Heim zurück. Nach etlichen Jahren erhalten die sechs Waisenkinder, mittlerweile teilweise Personen des öffentlichen Lebens, einen anonymen Brief mit einem Paar Kinderschuhen. Einer davon ist ein Journalist, der die Spur dieses Briefs aufnimmt. Möchte jemand auf die damaligen Ereignisse im Kinderheim aufmerksam machen? Denn in all den Jahren sind wohl schreckliche Dinge vorgefallen, die teilweise starken Einfluss auf die Leben der einzelnen Kinder hatten. Marie, das siebte Waisenkind, hat die anderen Waisenkinder all die Jahre beobachtet und erzählt durch sie eine ungeheuerliche Geschichte, die ganz Dänemark erschüttert…

 

Charaktere

In Das siebte Kind dreht es sich – wie es der Titel bereits prophezeit – um sieben Waisenkinder. Da alle eine mehr oder weniger wichtige Rolle für die Ereignisse spielen, kommt auch jedes dieser sieben „Kinder“ zu Wort. Die wichtigste Figur in diesem Roman ist allerdings das Mädchen Inger Marie, denn der Großteil der Geschichte ist aus ihrer Sicht geschrieben.

Marie ist das einzige Waisenkind, das nicht adoptiert wurde. Sie wurde mit Deformierungen und körperlichem Gebrechen geboren und bleibt ihr Leben lang isoliert auf Kongslund. In all den Jahren ihrer Kindheit und auch, als sie ereits erwachsen sind, beobachtet Marie die anderen Waisen ganz genau. Sie ist eine einsame, isolierte Person, die aber durch ihre Schilderungen eine unglaubliche Beobachtungsgabe und ein äußerst feines Gespür für die menschliche Psyche beweist. Marie war für mich eine Figur, mit der ich auf der einen Seite wegen ihres körperlichen Zustands und der Isolation wahnsinnig viel Mitleid hatte, auf der anderen Seite war sie für mich aber auch sehr unheimlich und düster. Ich konnte mit ihr mitfühlen, empfand aber auch großen Respekt.

 

Schreibstil

Erik Valeurs Schreibstil war für mich auf den ersten Seiten etwas anstrengend, dementsprechend konnte ich auch nur sehr schleppend in die Geschichte hineinfinden. Seine Sprache ist etwas, dem ich zuvor noch nicht begegnet war. Er nutzt viele kreative, einzigartige Formulierungen und entwickelt eine ganz eigene Sprachmelodie, die mich im Laufe der Geschichte aber mehr und mehr fasziniert hat. Der Roman ist nicht „schwer“ zu lesen, sondern eher ungewöhnlich. Gewöhnt man sich aber erst einmal daran, liest sich die Geschichte aber sehr viel leichter.

Was mir gefallen hat

Die Geschichte beginnt sehr düster direkt mit dem Fund einer Leiche. Erstmal nichts außergewöhnliches für einen Krimi, aber die Art und Weise, wie Valeur diese Situation beschreibt, und was dabei auf den betreffenden Seiten ans Licht kommt, fesselte mich sehr. Interessant an der Sache ist jedoch, dass die Leiche danach erst einmal kein Thema mehr ist. Der Fokus wird vielmehr auf die Waisenkinder, deren Geschichten und Maries Blick auf die Dinge gelegt, sodass dieser Leichenfund vollkommen in Vergessenheit gerät.

Besonders gut haben mir die Rückblenden in die Kindheit der einzelnen Waisenkinder gefallen. Teilweise hatten die es nämlich richtig in sich und ließen mich ein wenig geschockt zurück.

Im Großen und Ganzen hat dieser Roman etwas sehr Düsteres. Die Geschichte – auch schon vom Klappentext her – klingt äußerst vielversprechend und spannend. Valeurs unverwechselbare Ausdrucksweise und sein unvergleichbares Wortspiel haben mich immer wieder aufs Neue beeindruckt, auch wenn es am Anfang eher gewöhnungsbedürftig war. Aber da ich selber Linguistin bin, hat mich der sprachliche Aspekt des Romans einfach fasziniert, alleine dafür würde ich 5 Sterne vergeben. Leider gab es auch einige negative Punkte an der Geschichte, die die Wertung dann doch wieder runterdrücken.

Was ich nicht so gut fand

Auch wenn mich die Idee an sich, Valeurs Schreibstil und das tolle, düstere Feeling sehr beeindruckt haben, darf man nicht außer Acht lassen, dass dieses Buch mit seinen 800 Seiten ein ordentlicher Leseschinken ist. Die sieben „Titel“-Kinder und ihre Lebensgeschichten geben zwar ziemlich viel Stoff her, aber ich musste mich an manchen Stellen schon fragen: Warum mussten es denn sieben sein? Hätten vier oder fünf nicht auch gereicht? Teilweise verliert sich die Geschichte in winzigen Details, die für die Storyline gar nicht wichtig sind. Auch Ausflüge in die Politik kommen häufig vor, was ich persönlich nicht besonders prickelnd fand. Dadurch ging leider mehr als einmal die Spannung verloren und das machte es für mich auch sehr schwierig, mit voller Konzentration bei der Story zu bleiben.

Fazit

Erik Valeur hat hier einen ordentlichen Wälzer an Krimi geschaffen, der die Gemüter wahrscheinlich sehr gespalten zurücklässt. Viele Leser sind begeistert, genauso viele aber auch nicht. Ich weiß nicht hundertprozentig, in welche Gruppe ich mich schlussendlich einreihen soll. Die Idee hinter dem Roman ist definitiv sehr interessant, Valeurs Schreibstil und die teilweise erschreckenden Beschreibungen hinterlassen sicherlich Eindruck. Aber all die unnötigen Details und die teilweise erschöpfende Langatmigkeit haben die Lektüre wirklich zu einer Herausforderung gemacht. Wäre das nicht gewesen, hätte es mit Sicherheit ein packender Kriminalroman werden können, der definitiv viele schöne Sternchen verdient.

Meine Gefühle waren am Ende sehr gemischt und sind es auch immer noch. Deshalb gebe ich dem Roman 2 Sterne.

Bewertung

2 herzen

 

… aber das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden!

 

Vielen Dank an Blanvalet und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar! 🙂

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