[Rezension] Die letzte Plage

 

Rezension

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Worum gehts

Die Menschheit ist ihrem Ende geweiht. Eine mutierte Fliegenart besiedelt alle Länder der Erde und tötet die Menschen mit einem einzigen Stich. Man wird schwächer und schwächer, kann sich nicht mehr bewegen und verliert die Fähigkeit zu sprechen. Den dritten Tag nach einem Fliegenbiss überlebt kaum jemand.
Mitten in diesem Massensterben versuchen der investigative Journalist Nigel und seine Ehefrau Abby dem sicheren Tod Tag für Tag zu entkommen. Abby beobachtet das Massensterben von zuhause aus – wobei sie durch ihre Lupus-Erkrankung selbst dem Tode geweiht ist. Allerdings sieht sie die tödliche Plage nicht als Katastrophe, sondern als Willen und Segen Gottes, was ihren Mann immer mehr in den Wahnsinn treibt. Nigel hingegen geht der Frage auf den Grund, wer oder was die Mutation der Fliegen überhaupt ausgelöst hat, und wird dabei in die Arme von religiösen Fanatikern getrieben, der die Heilung von der Seuche in einem kleinen afrikanischen Jungen sieht.
Einstieg

Die Menschheit wird von einer Seuche dahingerafft, es gibt nur noch wenige überlebende. Die Autoren verzichten auf lange Vorgeschichten und werfen den Leser direkt hinein in das Sterben der Menschheit. Gemeinsam mit Nigel, der sich gerade auf dem Flug von Afrika nach England befindet, tritt man so ein in eine apokalyptische Welt und wird Zeuge davon, wie die Fliegenseuche die Menschen zerfrisst. Die Menge an Informationen, die dem Leser dabei geboten wird, ist wunderbar aufgeteilt in leicht verdauliche Happen, sodass man an keiner Stelle überfordert wird.

Verlauf

Im Verlauf der Geschichte erfährt der Leser immer mehr über die Seuche, wo sie herkommt und was sie mit dem Körper anstellt. Der Informationsfluss beschränkt sich auch hier auf ein angenehmes Minimum, das an keiner Stelle überfordert.
Allerdings gibt es im Verlauf der Geschichte einige Ungereimtheiten und Widersprüche. Beispielsweise tauchen im Haus von Abby und Nigel eines Nachts Hunderte von Fliegen auf. Der Grund dafür ist scheinbar ein totes Eichhörnchen, das im Kamin verwest. Dem Stadium des Verwesungsprozesses nach zu urteilen, lag das tote Tier dort schon länger, aber erst jetzt tritt beißender Aasgeruch auf. Urplötzlich ist das ganze Haus voller Fliegen, aber genauso plötzlich verschwinden sie auch/werden nicht mehr beachtet. Weiter wurde darauf einfach nicht mehr eingegangen.
Einige weitere Dinge, die für mich etwas widersprüchlich bzw. sinnlos waren, sind Folgende:

  • Die Seuche forderte bereits viele Todesopfer. Die Straßen sind leer gefegt, Regierungen gestürzt, Fernseh- und Radiosender haben das Programm eingestellt. Lebensmittel sind kaum noch vorhanden. Trotzdem haben Cafés und Bars geöffnet und auch Benzin scheint in keiner Weise knapp zu sein, denn die Protagonisten reisen ohne Probleme mit dem Auto quer durch das Land. Das Gleiche gilt für den Flugverkehr, der auch noch – mehr oder weniger – intakt ist.
  • Am Anfang hieß es, England sei eines der wenigen Länder, die als „sicher“ eingestuft werden. Trotzdem wütet die Seuche in den Straßen der Städte, man trifft kaum auf andere Personen.
  • Nord Korea ist als einziges Land nicht von der Seuche betroffen. Der Grund: Der Diktator Kim Jon-Un hat den Fliegen ganz einfach verboten, die Landesgrenzen zu passieren. Ich wusste wirklich nicht, ob ich diese Information ernst nehmen sollte oder nicht…

 

Ende

Das Ende der Geschichte ließ mich tatsächlich etwas traurig zurück, da mir der Protagonist Nigel sehr ans Herz gewachsen war. Seine Suche nach dem wahren Auslöser der Fliegenseuche führt ihn zu einer afrikanischen Familie, deren zweijähriger Sohn scheinbar entführt wurde. Da die Polizei jedoch für solche Fälle weder Zeit noch Personal hat, nimmt sich Nigel der Aufgabe an, das Kind zu finden und wird nach kurzer Zeit in die Kreise einer Gruppe religiöser Fanatiker getrieben. Was dort schließlich geschieht, hat mich emotional definitiv stark beansprucht.
Was mir am Ende der Geschichte allerdings nicht sehr gut gefallen hat, war das seitenlange Geblubber über den Plan und Willen Gottes. Dadurch zogen sich die letzten Seiten wie Kaugummi und hinterließen einen eher faden Nachgeschmack. Was am Ende mit Abby geschieht, war für mich ein wenig unrealistisch und aus der Luft gegriffen. So richtig abkaufen konnte ich das den Autoren leider nicht.

Charaktere

Die Geschichte ist aus Sicht der Protagonisten Nigel und Abby geschrieben, die Perspektive ändert sich dabei von Kapitel zu Kapitel. Zwischendurch taucht aber auch noch eine dritte Person im Bunde auf: Henry. Er ist für den Verlauf der Geschichte allerdings nicht besonders wichtig und wirkte fast wie ein erzwungener Lückenfüller. Man erfährt nicht sonderlich viel über ihn, außer dass seine Frau und seine Tochter Opfer der Seuche wurden. Anfangs machte es auf mich noch den Eindruck, dass Henry später eine wichtige Schlüsselrolle spielen wird, was mich unheimlich neugierig auf den weiteren Verlauf machte. Aber leider wurde ich in der Hinsicht enttäuscht.

Die Protagonisten Nigel und Abby hingegen lösten bei mir unterschiedliche Gefühle aus. Nigel, ein investigativer Journalist und von Grund auf guter Mensch, hat in gewisser Weise mein Herz erobert. Er setzt sich für das Gute ein und macht sich auf die Suche nach einem vermissten Kind, was eigentlich gar nicht zu seinem Job gehört. Auch für seine Frau Abby ist er der perfekte Ehemann. Er liebt sie von ganzem Herzen und will, dass es ihr gut geht, allerdings kommt er immer schlechter mit ihren charakterlichen und körperlichen Veränderungen klar, weshalb er sich selber für ein Monster und das größte Arschloch der Welt hält. Genau diese Eigenschaften machen ihn aber unheimlich sympathisch und betonen die gute Seite in ihm.

Abby hingegen ist das genaue Gegenteil von Nigel. Sie ist an Lupus erkrankt und verliert sich immer mehr in ihrem Glauben an Gott. Am Anfang konnte ich noch Mitleid mit ihr haben, schließlich ist sie körperlich sehr geschwächt, ihr Wunsch nach einem Baby wird deshalb für immer unerfüllt bleiben und sie fürchtet sich Tag für Tag vor ihrem eigenen Leben. Für sie geht es aber immer nur um Gott und seine Pläne für die Menschheit. Sie erklärt sich damit die Seuche, das andauernde Sterben und ihre eigene Krankheit. Ihr einziges Ziel dabei ist es, ihren Ehemann zu bekehren, da dieser seinen Glauben an Gott schon lange verloren hat. Sie wird selber zu einer religiösen Fanatikern und schreckt nicht einmal davor zurück, ihr eigenes Leben „durch Gottes Hand“ beenden zu wollen. Mit der Zeit wirkte diese Gottverliebtheit ziemlich nervtötend auf mich und auch die Tatsache, dass sie ihrem eigenen Ehemann dadurch jedes einzelne Wort im Mund umdreht, machte sie nur noch unsympathischer. Ihr Fanatismus, ihre Blindheit und Ignoranz, ihre unergründliche Naivität sowie ihr mieses Verhalten gegenüber Nigel waren für mich ein echter Ekelfaktor.

Insgesamt verzichten die Autoren in diesem Buch auf detaillierte Personenbeschreibungen. So erfährt man beispielsweise gar nicht, wie alt die Protagonisten eigentlich sind oder wie sie aussehen. Die Autoren konzentrieren sich wirklich aufs Wesentliche. Dieser Minimalismus passt einfach wunderbar zum Charakter des Thrillers und es blieb schlichtweg viel Spielraum für die eigene Fantasie.

Schreibstil

Der Schreibstil ist sehr schlicht, bildhaft und fließend, teilweise aber auch erfrischend locker. So wird an der ein oder anderen Stelle nicht auf Kraftausdrücke oder rabiate Beschreibungen verzichtet. An wenigen Stellen versuchen die Autoren allerdings auch, komplexe Dinge – wie beispielsweise ein Video – zu beschreiben, was stilistisch leider nicht ganz klappt und eher verwirrt als aufklärt.

Was mir gefallen hat

Die Sprache, die Charakterzeichnungen und die Grundidee machten auf mich einen sehr guten und angenehmen Eindruck. Auch der Einstieg in die Geschichte gelang einwandfrei, der Informationsgehalt beschränkt sich auf ein angenehmes, aber definitiv ausreichendes Maß.

Was ich nicht so gut fand

Teilweise treten in der Geschichte – wie weiter oben bereits erwähnt – starke Logikfehler auf, wodurch das Ganze nicht besonders gut durchdacht wirkt. Auch die religiösen Elemente wurden mir an manchen Stellen zu viel und hätten durchaus auf einige Schlüsselszenen reduziert werden können. Außerdem treten teilweise Erzählelemente auf, die für mich nicht ganz nachvollziehbar oder vollkommen aus der Luft gegriffen schienen: Ich hatte beispielsweise das Gefühl, dass Henry nur als Lückenfüller diente, um ein paar Extraseiten schinden zu können. Es fühlte sich einfach sehr erzwungen an. Auch die Tatsache, dass Nigels USB-Stick mit sehr wichtigen Informationen gestohlen wird, erklären die Autoren nicht weiter. Haben sie nur nach einem x-beliebigen Grund gesucht, um die Geschichte irgendwie in Gang zu bekommen? Ich denke, dass sich dafür auf jeden Fall eine bessere Lösung hätte finden können.

Des Weiteren machte der kapitelweise Perspektivenwechsel zwischen den Protagonisten auf mich einen eher negativen Eindruck. Ich bin zwar grundsätzlich ein Fan von verschiedenen Blickwinkeln, allerdings wird dies in diesem Buch nicht konsequent durchgezogen. So bleibt die Perspektive mehrere Kapitel lang bei einer Person, was aber immer wieder einzeln gekennzeichnet wird. Meiner Meinung nach ist das überflüssig. Zusätzlich wechselt hier und da einfach der Ort anstelle der Perspektive, was ich für ziemlich unnötig hielt, denn schließlich hätte sich ein Ortswechsel auch aus dem jeweiligen Perspektivenwechsel erklären können.

Ein letzter negativer Punkt, der das Lesevergnügen für mich leider stark minderte, war die Übersetzungsarbeit. Die Geschichte ist unglücklicherweise durchsetzt von Orthographie-, Grammatik- und Interpunktionsfehlern. An manchen Stellen finden sich auch Übersetzungsfehler, die man definitiv hätte vermeiden können (beispielsweise wird die Zeitung, bei der Nigel arbeitet – ‚The Light‘ – an machen Stellen einfach mit ‚Das Licht‘ übersetzt, an anderen wiederum nicht). Im Großen und Ganzen wirkte es, als wäre der Text in einem Durchlauf übersetzt und kein weiteres Mal korrigiert worden – sehr schade!

Fazit

Die letzte Plage ist ein apokalyptischer Thriller mit einem sehr guten Ansatz, aber leider wirkte er an manchen Stellen nicht sonderlich gut durchdacht. Trotz alledem leisteten die Autoren eine hervorragende Charakterzeichnung, die mich definitiv überzeugt hat.

Ein schöne Lektüre für zwischendurch, besonders gut geeignet für den Einstieg in das Genre des apokalyptischen Thrillers.

Bewertung

3 herzen


Vielen lieben Dank an den Luzifer-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars :)

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3 Gedanken zu “[Rezension] Die letzte Plage

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