[Rezension] 1Q84 – Buch 3

Diese Rezi stammt aus der Feder meines lieben Göttergatten Felix. Viel Spaß damit 🙂

Feli

1Q84 Buch 3.png

Worum gehts

Der dritte und vorerst letzte Teil des Fortsetzungsromans 1Q84 wird auf dem Klappentext als „Romeo und Julia unseres Jahrtausends“ (Die Literarische Welt) zitiert. Und in der Tat teilen die Hauptprotagonisten Tengo und Aomame ein ähnliches Schicksal. Nach ihrem Mord an dem Führer einer gewalttätigen Sekte muss Aomame abtauchen. Im Unterschlupf stellt sie fest, dass sie auf mysteriöse Weise ein Kind von Tengo trägt, den sie seit Kinderjahren nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Gleichzeitig werden beide von dem skrupellosen Detektiv Ushikawa beschattet, der sich ein „Fernduell“ mit Aomames Beschützer Tamaru leistet. Bereits in den ersten beiden Teilen des Romans wird beschrieben, wie Tengo gemeinsam mit der 17-jährigen legasthenischen Schriftstellerin Fukaeri den überaus erfolgreichen Roman „die Puppe aus Luft“ verfasst. In Teil 3 entstehen immer mehr Parallelen zwischen der Romanhandlung und der rätselhaften Realität 1Q84, in der sich Tengo, Aomame und weitere Protagonisten befinden.

 

Einstieg

Während Teil 1 und 2 noch abwechselnd aus Tengos und Aomames Perspektive erzählt wurden, kommt nun Ushikawa als weiterer Erzähler hinzu. Davon abgesehen ist der Einstieg in das Buch erwartungsgemäß flüssig. Es wird aber auch schnell klar, dass sich der Fokus von Fukaeri und der „Puppe aus Luft“ hin zur scheinbar hoffnungslosen Liebesgeschichte von Tengo und Aomame verschiebt. Alles in allem ein gelungener Wiedereinstieg.

 

Verlauf

Zu Beginn von Teil 3 scheint Ushikawa den beiden immer mehr auf die Schliche zu kommen. Zeitgleich verschiebt sich Tengos Aufenthaltsort immer mehr in die „Stadt der Katzen“, einer Küstenstadt, wo sein schwer kranker Vater in einem Sanatorium untergebracht ist und schließlich stirbt. Tengo erlebt dort einige richtungsweisende Dinge, die er unter anderem in einem neuen Roman verarbeitet. Seine Sehnsucht nach Aomame wird dabei größer. Dieser fällt inzwischen in ihrem Unterschlupf langsam die Decke auf den Kopf. Bereits in Teil 2 hat sie Tengo auf dem Spielplatz vor ihrer Wohnung gesehen, konnte ihn aber nicht ansprechen. So verbringt sie die Abende auf dem Balkon und hält ständig Ausschau nach ihm. Gleichzeitig erwachen die „Little People“, die nach dem Mord an dem Sektenführer verschwunden schienen, zu neuem Leben und scheinen das Schicksal von Tengo und Aomame weiter zu beeinflussen. Während die Handlung fortfährt, bekommt man immer wieder neue Details zu Tengos Vergangenheit mit, unter anderem über das rätselhafte Schicksal seiner früh verstorbenen Mutter. In der ersten Hälfte des Buches war ich mir nie sicher, ob ich einen Krimi oder einen Liebesroman vor mir liegen habe. Danach war ich mir sicher: keines von beidem – ein typischer Murakami eben.

 

Ende

Dramatische Wendungen spielen sich ab. Einen wahrhaftigen Schock hat man als Leser zu verkraften, als Aomame den Entschluss fasst, alleine durch die Nottreppe zu gehen, durch die sie in Teil 1 in das Jahr 1Q84 gelangt war. Als der Rückweg nicht funktioniert, entschließt sie sich zum Selbstmord. Ushikawa wird in seinem Versteck nahe Ushikawas Wohnung entdeckt, gefesselt und gefoltert. Wer von beiden überlebt, müsst ihr selber lesen! Das Ende hat mir persönlich gut gefallen. Es wäre theoretisch immer noch genug für einen Teil 4 offen, der jedoch von Haruki Murakami dementiert wurde.

 

Schreibstil

Wie auch schon die beiden vorangehenden Teile ist der dritte Teil von 1Q84 wirklich gut geschrieben, sowohl literarisch als auch unterhalterisch. Obwohl Ushikawa den ultimativen Bösewicht darstellt, wird ihm zunächst mehr Platz und vor allem mehr innere Handlung gegeben. Insgesamt kam mir der Roman aber etwas langatimger vor als Teil 1 und 2. Auch einige orthographische Fehler sind im Gegensatz zu den vorangegangenen Teilen zu finden.

 

Charaktere

Die Charaktere aus dem ersten Teil entwickeln sich konsequent weiter. Einigen Protagonisten, etwa die alte Dame, Ebisuno oder Komatsu – verschwinden fast völlig aus dem Roman, auch die ehemals dritte Hauptprotagonistin Fukaeri hat deutlich weniger Handlung. Dafür wird Ushikawa als neuer Hauptcharakter eingeführt, der zuvor allenfalls eine Nebenrolle hatte. Gerade durch diesen Perspektivenwechsel wird Tengos und Aomames Vorgeschichte und akutelle Verbindung interessanter, was Ushikawa selbst aber kaum für sich zu nutzen weiß. So entwickelt man als Leser seine eigenen Theorien, wie Tengo und Aomame, verbunden durch die Magie der Puppe aus Luft – wieder zusammen finden könnten. In der „Stadt der Katzen“ lernt Tengo einige neue Charaktere kennen, unter anderem Kumi Adachi, mit der er beinahe sexuellen Kontakt hat. Insgesamt ist die Zusammenstellung der Charaktere, wie auch im ersten Teil, sehr gelungen.

 

Was mir gefallen hat

Gefallen hat mir vor allem der neue Wind, der in Form von Ushikawa in die Handlung strömt. Dadurch entwickelt der Roman eine weitere Facette, nämlich die eines Thrillers. Ansonsten gilt alles, was auch schon für den ersten Teil galt: eine im wahrsten Wortsinn fantastische Erzählung, eine geschickt konstruierte Handlung und identifikationsstarke Charaktere. Und das alles ist so wahnsinnig gut aufgeschrieben, dass man die Protagonisten am liebsten persönlich kennenlernen würde.

Was ich nicht so gut fand

Im Gegensatz zu Teil 1 und 2 ist die Handlung an einigen Stellen etwas langatmiger und in gewisser Weise vorhersehbarer. Das lässt sich aber verschmerzen, denn das Buch weiß die „Durststrecken“ durch gelungenen Erzählstil zu überbrücken.

 

Fazit

Eine in jeder Hinsicht gelungene Fortsetzung. Thriller, Liebesgeschichte und Fantasy-Erzählung in einem Werk vereint. Winzige Abstriche gegenüber dem ersten Buch. Hoffentlich entscheidet sich Herr Murakami doch noch zu einem vierten Teil!

 

Bewertung5 herzen

 

 

 

 

 

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