Über den Druck, immer vorne dabei sein zu müssen

Mittlerweile ist mein Bücherblog gut 7 Monate alt. Das sind 7 Monate voller Lesefreude. 7 Monate, in denen ich neue Bücher, neue Genres, neue Geschichten und einen ganz neuen Geschmack für mich entdeckt habe. 7 Monate, in denen ich fast täglich unglaublich viel Zeit ins Schreiben von Rezensionen und anderen buchigen wie nicht-buchigen Beiträgen investiert habe. 7 Monate, in denen ich auch viele liebe Menschen kennengelernt habe. Aber es waren auch 7 Monate, in denen ich immer wieder mal wichtigere Aufgaben liegen ließ, um mich um das zu kümmern, was ich liebe: nämlich das Lesen und das Schreiben übers Lesen.

In den letzten Wochen blieb mein Blog aber irgendwie ein bisschen auf der Strecke. Eigentlich wollte ich nur im März eine kurze Blogpause einlegen, um mich auf eine sehr wichtige Aufgabe zu konzentrieren. Im April wollte ich wieder voll durchstarten, aber irgendwie sprang der Motor nicht mehr an. Ich hatte verschiedene Beitragsideen in meinem Kopf, aber immer wieder hatte ich Ausreden, es auf den nächsten Tag, das nächste Wochenende, die nächste Woche zu verschieben. Am Ende kam nicht wirklich was dabei heraus. Das ist für mich nun Grund genug, um die letzten Monate mal Revue passieren zu lassen und mich zu fragen, warum ich eigentlich blogge.

Warum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen?

Es ist schon mal keine Neuigkeit, dass ich schon immer gerne gelesen habe. Schon von klein auf war es mein liebstes Hobby. Aber irgendwie fehlte mir immer jemand, mit dem ich mich wirklich über Bücher austauschen konnte. Zwar ist mein Mann auch eine große Leseratte, aber das, was wir lesen, könnte unterschiedlicher nicht sein. Irgendwann habe ich mich in verschiedenen Leseforen angemeldet, aber das war mir dann trotzdem zu anonym. Deshalb kam ich schließlich auf die Idee, einen eigenen Bücherblog zu starten – für den Moment und für meine Situation wahrscheinlich die allerbeste Entscheidung. Ich erlebte in den letzten Monaten eine wahre Hoch-Zeit – viele Bücher, viele Beiträge, viele Leser, viele neue Bekanntschaften – besser hätte ich es mir gar nicht vorstellen können! Aber je mehr es von meinem Blog gab, desto mehr Druck entstand auch, der eigentlich gar nicht nötig wäre.

Warum setzt man sich beim Bloggen selber unter Druck?

Ich wollte einfach immer mehr. Immer mehr lesen, immer mehr darüber schreiben, immer mehr mitreden können. Aus dem wollen wurde dann in meinem Kopf irgendwann ein müssen. Und dann, ganz plötzlich, legte sich in meinem Kopf vor einigen Wochen ein Schalter um. Plötzlich hatte ich keine Lust mehr zu Bloggen. Plötzlich hatte ich nicht mal mehr Lust zu Lesen. Ich war mitten in einem wundervollen, faszinierenden, mitreißenden Buch, als ich urplötzlich einfach keine Lust mehr hatte, es zu Ende zu lesen. Einfach so! Ich dachte mir Okay, das ist nur eine Phase, konzentriere dich mal auf was anderes, dann wird das wieder. Das habe ich dann auch getan. Aber als ich mit dem anderen fertig war, hatte ich immer noch keine Lust. Ich war im Urlaub, lag am Strand, ein Buch vor mir, aber hatte keine Lust. Ich hatte immer und überall ein Buch dabei – auf der Couch, im Bett, in der Badewanne, sogar auf dem Klo – aber ich hatte einfach keine Lust darauf. Ich wollte mich ablenken, indem ich einfach ein paar andere Blogbeiträge schreibe. Aber ich hatte darauf genauso wenig Lust.

Was war mit mir los? Was ist immer noch mit mir los? Hat mir vielleicht das Bloggen die Lust aufs Lesen genommen?

Warum diese Unlust?

Irrwitzige Fragen, die ich mir da stelle. Aber ich stelle sie mir. Und deshalb denke ich momentan ernsthaft über die ganze Sache nach. Und zu welchem Ergebnis komme ich?

Das Bücherbloggerbusiness kann die schönste und gleichzeitig/oder auch die schlimmste Sache der Welt sein. Wochenlang habe ich sie als die schönste Sache empfunden, denn sie trug mich in einen Bücherhimmel auf Wolke 7, zeigte mir – buchstäblich – die schönsten Seiten des Lebens. Aber das Bloggen ist auch mit einem gewissen Druck verbunden. Der Druck, immer mitreden zu können. Immer die neusten Bücher zu kennen. Immer zu präsentieren, was man hat, was neu ist, was man schon kennt. Immer streng Buch zu führen über sein „Hobby“. Und Hobby ist hier ein Stichwort. Denn ich habe für mich entschieden, das Lesen und meine Liebe zur Literatur mein Hobby bleiben zu lassen und es nicht zu einem Job zu machen, der mich unter Druck setzt. Soweit habe ich es in den letzten Monaten kommen lassen und ich muss sagen: Ich mag das nicht.

Ich werde meinen Blog sicher nicht aufgeben. Aber ich werde das Bücherbloggen ein wenig zurückschrauben und mich wieder auf das konzentrieren, was ich wirklich schon immer geliebt habe: Das Lesen.


Der Text war jetzt ein wenig lang, dafür entschuldige ich mich. Aber ich gratuliere jedem, der es bis zum Ende durchgehalten und sich tapfer meine seltsamen Gedanken durchgelesen hat. Dazu möchte ich auch noch eins sagen: Ich hätte das Bloggen wahrscheinlich schon nach wenigen Wochen wieder aufgegeben, wenn ich Euch nicht als Leser hätte. Ich danke Euch von Herzen, dass Ihr meinen Blog abonniert, meine manchmal etwas wirren Gedanken, enthusiastischen Ausbrüche und kritischen Darbietungen durchlest, kommentiert, und vor allem immer wieder den Weg zurück zu mir findet, auch wenn ich mal ein paar Wochen lang still bin. Ich hoffe, Ihr bleibt mir auch erhalten, wenn ich in nächster Zeit vielleicht etwas zurückhaltender bin. Danke für alles! ❤

Unterschrift

 

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9 Gedanken zu “Über den Druck, immer vorne dabei sein zu müssen

  1. Hallo liebe Andrea,

    ich glaube ganz viele Blogger, die deinen Text lesen, werden nun kräftig nickend vor ihrem Bildschirm sitzen, denn, so traurig es ist: die Sache mit dem Druck ist nicht neu. Ich weiß nicht, warum wir immer wieder zulassen, dass wir uns unser Hobby selbst so madig machen. Natürlich will man auf dem neusten Stand sein, natürlich will man mitreden können und natürlich will man seinen Lesern etwas bieten. Aber zu welchem Preis? Dass wir den Spaß an allem verlieren und unser Hobby zur Qual wird? Nein danke. Ich habe mich vor einer Weile dazu entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Ich blogge, wenn ich Zeit und Lust dazu habe und lasse mich nicht von irgendwelchen Dingen unter Druck setzen. Das ist MEIN Hobby und MEIN Blog und darüber bestimme ich.

    Ich hoffe für dich, dass du deine Ruhe und Freude am Bloggen und Lesen bald wieder findest, liebe Andrea. Fühl dich gedrückt.
    Maike

    Gefällt 1 Person

    • Hallo liebe Maike,
      da saß ich jetzt aber auch heftig nickend vor dem Bildschirm! Du hast sowas von Recht. Das war am Anfang alles ganz toll und spannend, aber je mehr ich mich reinstresse, desto weniger Lust habe ich noch drauf. Die Kunst ist wirklich, einen passenden Mittelweg zu finden. Ich bewundere wirklich Blogger, die es schaffen, jeden Tag einen Beitrag rauszuschleudern (egal in welchem Bloggenre). Ich hab das mal versucht, aber ehrlich, das möchte ich mir nicht antun. Mein Hobby bleibt mein Hobby, und ich werde ab sofort auch nur noch Bloggen, wenn ich wirklich Lust und Zeit habe. Und das Lesen kommt auch wieder, da bin ich sicher! 🙂
      Danke für deine lieben Wort! ❤

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  2. Ich habe meinen Blog seit einem ähnlichen Zeitraum wie du. Auch ich habe mir manchmal diese Fragen gestellt, die dich beschäftigen. Für mich selbst habe ich entschieden, dass es keine festen Tage gibt, an denen ich Rezensionen poste. Und, was mir auch sehr wichtig war: Ich entscheide mich dafür, wirklich nur Rezensionen zu posten. Wer andere Beiträge vermisst, der findet sie auf unzähligen anderen Blogs. Mir geht es ums Lesen und das soll auch so bleiben. Vielleicht kannst du für dich einen ähnlichen Weg finden :-)?

    Liebe Grüße
    Jane

    Gefällt 1 Person

    • Hallo liebe Jane 🙂
      Ich glaube, die Rezensionen sind das, was mir Probleme bereitet. Einfach weil ich immer den Gedanken im Kopf habe „Ich MUSS jetzt was rezensieren und wenn ich nichts rezensieren kann, MUSS ich ganz viele neue Bücher lesen“. Die anderen Beiträge geben mir immer so ein bisschen Abwechslung und ich glaube, das ist auch ganz gut. Wer das nicht lesen möchte, liest es nicht, und umgekehrt. Für mich selber ist der Mittelweg wahrscheinlich das Beste 🙂
      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  3. Huhu 🙂

    Ich habe momentan das gleich Problem. Seit Mitte April kam bei mir nichts mehr, ich habe total wenig gelesen. Diese ganzen Diskussionen in letzter Zeit, was ein professioneller Blog ist und wie es sein muss etc. hat mir glaube ich die Lust genommen.

    Ich habe mir nur noch gedacht „dann macht das doch alleine“. 4 Jahre habe ich meinen Blog (auf Blogger) nun schon und irgendwie bin ich da rausgewachsen und diesen fast-schon-Machtkampf leid. Es sind andere Interessen dazugekommen und ich habe im letzten Monat festgestellt: es ist viel entspannender, wenn ich einfach lese ohne dabei darüber nachzudenken, wie ich etwas in der Rezension wiedergebe.

    Mittlerweile baue ich meinen Reiseblog auf, allerdings habe ich als Untertitel „travelling, photos, tea & good books“ – vielleicht rezensiere ich einfach dort, wenn ich Lust habe. Aber ich will nicht mehr immer up-to-date sein, ich will in Buchhandlungen gehen und dort etwas entdecken, zu dem ich nicht schon so viele Meinungen gehört habe.

    Liebe Grüße
    Miriam

    Gefällt 1 Person

    • Hi Miriam 🙂
      Da hast du absolut recht! Im Grunde geht es mir genauso. Ich habe meinen Blog jetzt schon so lange nicht mehr angesehen und nichts mehr geschrieben, es macht einfach keinen Spaß mehr, wenn man unter Druck etwas „produzieren“ muss. Ich habe mir jetzt vorgenommen, nur noch ab und zu, wenn ich halt gerade Lust dazu habe, zu bloggen. Das ist wohl die beste Lösung 🙂
      Das mit den neuen Interessen kenne ich. Momentan überlege ich, auch noch einen Blog zu vollkommen anderen Themen zu machen, aber da befürchte ich, dass es vielleicht wieder so laufen wird und das nimmt mir ein bisschen die Lust. Aber mal sehen, vielleicht setze ich es doch noch um 🙂
      Liebe Grüße!
      Andrea

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  4. Hallo Andrea,
    interessanter Beitrag und wie meine Vorredner, kann ich nur mit dem Kopf nicken. Mein Blog ist jetzt etwas mehr als 1 Jahr alt und auch ich frage mich immer wieder „bloggen ja oder bloggen nein“. Aber wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist, baut man sich den Druck selber auf – der Druck ensteht dadurch, viele Leser haben zu wollen und Kommentare … und somit eben vorne dran zu sein. Aber wenn man es für sich wirklich nur als ganz reinen un-ehrgeiziges Hobby sieht, sollte die Leserzahl egal sein. Ist sie aber dann doch nicht, dem eigenen Ego nicht (hehe, ich ertappe mich jedenfalls bei dem Gesanken) und wenn keiner kommentiert, fragt man sich „wozu schreib ich das, wenns keiner liest“. Das ist ein zweischneidiges Schwert und wer zu schaukeln, auch weil wir in einer Zeit leben, in der Bloggen „in“ ist, das heißt jeder versucht sich mal damit und umso schwerer wird es, aus der Masse herauszustechen. viele der großen etablierten Blogs hatten das Glück, zu einer Zeit anzufangen, in der der „Markt“ noch nicht so übersättigt war.

    Das sind aber nur meine Gedanken dazu – und ich habe auch keine goldene Lösung. als das ich einfach dann schreibe, wenn ich Zeit und Lust habe. Ich quäle mich nicht, wobei ein bisschen Disziplin immer dazu gehört, aber das tut sie bei jedem anderen Hobby auch. Der normale Hobbyläufer hat auch Tage an denen der innere Schweinehund sagt „bleib zu Hause“ und dann hilft auch nur Disziplin … sonst muss man wirklich beim nur lesen bleiben – was aber auch völlig richtig und gut ist 😉

    Da Du schreibst, weiter eine Mischung auf Deinem Blog zwischen Rezensionen und anderen Inhalten zu haben, meine Frage … magst DU beim Liebster Award mitmachen? Ich hab gerade einen Beitrag dazu geschrieben … und wenn Du Lust & Zeit hast, dann nominiere ich Dich gleich noch mit! Würde mich freuen.

    Viele liebe Grüße & nicht stressen lassen!
    Kati

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